Ballspielen, warum das nicht immer eine gute Idee ist.
- dogcrewhundetraini
- 26. Nov. 2024
- 3 Min. Lesezeit
Ballwerfen wird oft als "Spiel" bezeichnet, doch betrachtet man die Merkmale von Spielverhalten bei Hunden, wird schnell klar, dass es damit wenig zu tun hat. Stattdessen bedient es sich elementarer Muster des Jagdverhaltens.

Echtes Spielverhalten bei Hunden zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:
Wechselnde Spielrollen (z.B. gejagter und Jäger wechseln sich ab).
Übertriebene Bewegungen.
Kurze Unterbrechungen (Spielpausen).
Spiel kann zu jederzeit von allen Beteiligten unterbrochen werden.
Hunde spielen nur wenn sie sich wohlfühlen, also muss es für alle eine entspannte Umgebung sein.
Spiel ist immer ohne jeglichen Ernstbezug.
Es wird kein Ziel verfolgt, es macht einfach Spaß.
Das Ballwerfen hingegen ist monoton und eindimensional: Der Mensch wirft, der Hund jagt, bringt zurück - und das Ganze beginnt von vorne. Es fehlt die Flexibilität und die gegenseitige Interaktion, die typisches Spielverhalten ausmacht.
Ballwerfen als Jagdverhalten
Das Verhalten, welches Hunde beim Ballwerfen zeigen, ist klar in ihrer Jagdsequenz verankert:
Fixieren: Der Hund konzentriert sich ausschließlich auf den Ball, ignoriert meist dabei die Umwelt.
Hetzen: Mit voller Geschwindigkeit jagt er hinter dem geworfenen Objekt her.
Packen & Tragen: Der Hund nimmt den Ball auf und bringt ihn zurück.
All diese Verhaltensweisen sind selbstbelohnend, sprich es werden im Gehirn des Hundes Glückshormone freigesetzt. Diese Hormone können regelrecht süchtig machen, man spricht dann von "Balljunkies".
Je nach Veranlagung des Hundes, reichen bereits wenige Wiederholungen, um ein Suchtverhalten herzustellen. Bei anderen Hunden dauert es sehr lange und entwickelt sich schleichend. Natürlich gibt es auch Hunde, die kein großes Interesse an Ballspielen zeigen und somit gar nicht in ein Suchtverhalten kippen, aber das Risiko ist doch sehr hoch.
Rassen die eine starke Tendenz zu Suchtverhalten zeigen: Schäferhunde, Terrier, Hütehunde und Retriever.
Daran könnte ich einen Balljunkie erkennen
Schwer kontrollierbare Aufregung:
Der Hund wird extrem aufgeregt, sobald er einen Ball sieht.
Dauerhafte Fixierung:
Der Hund hat den Ball ständig im Blick und ignoriert dabei sogar andere Reize wie Menschen, andere Hunde und seine Umgebung. Wenn der Hund weis wo sich der Ball zuhause befindet, befindet er sich auch dort und fixiert ihn.
Mangelnde Entspannung:
Der Hund kommt vor allem nach dem Spiel, aber auch generell im Alltag schwer zur Ruhe.
Kann das hinterherjagen nicht selbstständig beenden:
Der Hund schafft es nicht selbstständig mit dem Jagen aufzuhören, würde das also auch über Stunden weiter machen.
Nicht immer sind die Symptome so deutlich zu erkennen. Wenn Ihr Hund eines oder mehrere dieser Verhaltensweisen zeigt, ist äußerste Vorsicht geboten.
Härtefall: fehlgeleitetes Beutefangverhalten
Fehlgeleitetes Beutefangverhalten tritt auf, wenn ein Hund seine natürlichen Jagdinstinkte auf unangemessene Ziele oder Handlungen richtet (z.B. Jagen von Lichtpunkten, Schatten, Joggern, Autos oder im schlimmsten Fall spielende Kinder). Ursache dafür kann unter anderem ungünstiges Ballspiel in Kombination mit einer entsprechenden Veranlagung des Hundes sein.
Um die extreme Gefahr zu verdeutlichen möchte ich auf die Studie "Tödliche Attacken von Hunden auf Kinder" von S.Heinze, D.U. Feddersen-Petersen, M.Tsokos, C.Buschmann und K.Püschel verweisen. Bei dieser Studie werden vier Fälle genauer betrachtet, in denen Hunde Kinder getötet haben. Bei allen Fällen, lag keine Aggression gegenüber den Kindern vor, sondern die Hunde haben alle aus einer jagdlichen Motivation heraus getötet.
Zitat aus der Studie: "Die Hunde wurden vor der Tat regelmäßig auf dem Gelände des späteren Tatorts dahingehend trainiert, sich in Ästen oder "gejagten" Bällen festzubeißen. Dieses trainierte "Beutefangverhalten am Ball" endete fatal, als sie eines Tages den Zaun zu den Fußball spielenden Kindern überwanden, einen kleinen Jungen verfolgten, attackierten und töteten (...)"
Fazit
Es gibt so viele Dinge die wir tun können, um unsere Hunde artgerecht und fair auszulasten. Einen Hund süchtig zu machen und zusätzlich das Risiko einzugehen, dass er in ein fehlgeleitetes Beutefangverhalten kippen könnte gehört nicht dazu. Wir können unseren Hunden von Anfang an beibringen, das Jagdverhalten unerwünscht und Bewegungsreizen hinterher zu jagen verboten ist. Und auf andere Auslastungsmodelle zurückgreifen.



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